Mori-Ôgai-Gedenkstätte Berlin / ベルリン森鷗外記念館・ベアーテ・ヴォンデ

Eine Frau aus Hiroshima/ Die Boten

Die Premiere war am 7.6.1988

Die beiden Darstellerinnen des (eigentlich) Einpersonenstücks waren
Irmgard Stroh (Anfang 70, Frau in Realität) und
Katharina Motikat (um die 40, Frau in Erinnerung zur Zeit des Abwurfs)

Weihnachten 1987 haben Hans-Albrecht Weber und ich in unserem Refugium in Wilmersdorf bei Müncheberg die Stückfassung für die Aufführung der christlichen Laienspielgruppe „Die BOTEN“ erstellt – eine Fassung, die sprechbarer sein sollte als die von mir vorgeschlagene und rohübersetzte Fassung in der 1985 bei Volk & Welt erschienenen Anthologie „An jenem Tag“ hrsg. von Jürgen Berndt.

Die Aufführung dauerte eine reichliche Stunde.

Als das Stück zu Ende war, war Schweigen im Saal, das Publikum war betroffen, keiner wagte zu applaudieren. Dann bedankte Hans sich bei den Zuschauern für das Schweigen. Das war auch so bei den folgenden 10-20 Aufführungen (es gibt keine Aufzeichnungen über die genaue Anzahl der Aufführungen) in verschiedenen Kirchengemeinden der DDR. Das Publikum war stets sehr berührt.

Nach der Premiere gab es in unserer Wohnung ein japanisches Premierenessen für alle Beteiligten. Wo sonst?

Da es in dem Stück auch um Amateurfunk geht, wir das irgendwie einbauen, sinnlich verstärken wollten, und ich mich damit weder generell noch besonders zu Japan auskannte, habe ich mich im Februar 1987 an die Amateurfunkstation im Pionierpalast „Ernst Thälmann“ gewandt. Das zeigt mal wieder, welche Recherchen Übersetzer so leisten und entbehrt aus heutiger Sicht nicht einer gewissen Ironie: eine kirchliche Theatergruppe will ein japanisches Stück spielen und wendet sich an den Pionierpalast. Das war realer Sozialismus.

Das Stück wurde bis November 1989 aufgeführt. Am 4. November, dem Samstag der Großdemo auf dem Alexanderplatz, musste Hans um 13 Uhr mit dem BOTEN-Wartburg los, um mit den Spielerinnen und dem geringen Equipment sowie einem großen Kunstseidentuch vom Deutschen Theater nach Dessau zu fahren, wo Frau aus Hiroshima in den Anhaltinischen Diakonissenanstalten (ADA) gespielt wurde. (Deshalb konnte ich nicht zu der Großdemo, ich hatte unsere 3 Kinder zu betreuen)

Wahrscheinlich war das die letzte Aufführung, denn bereits am 9.November ist ein anderes Stück der BOTEN Picknick im Felde von einer anderen Kirchengemeinde abgesagt worden. Die Spielgemeinde löste sich langsam auf, musste sich neu konsolidieren. Es war aber schwer, mit Laien zu arbeiten, die nach dem Mauerfalls ihre Arbeit verloren, in andere Städte ziehen mussten…
Im Februar 1990 wurden die BOTEN in die Schweiz eingeladen, mit BOTEN-Bus und Wartburg. Sie zeigten dort Dialog am Fenster und die Collage Und raus bist du. Bis 2001 waren die BOTEN bei den Ev. Kirchentagen (ein überregionales großes Treffen mit zahlreichen Teilnehmern).

Wer sich weiterhin mit der Hiroshima-Thematik befassen möchte, dem empfehle ich das folgende Hiroshima-Projekt der UniversitätBonn, auf das mich meine ehem. Kollegin Dr. Heike Patzschke hingewiesen hat:

Hier ist die Website, auf der die Augenzeugenvideos zu sehen sind:
https://www.global-peace.go.jp/

Hier sind die Videos mit den deutschen Untertiteln:
https://www.global-peace.go.jp/OTHER/ot_german.php
Einen Teil davon haben unsere Studenten übersetzt.

Und hier ist der Link zu unserem Projekt an der Uni Bonn:
https://www.ioa.uni-bonn.de/japkor/de/forschung/nagasaki-hiroshima-projekt


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