Mori-Ôgai-Gedenkstätte Berlin / ベルリン森鷗外記念館・ベアーテ・ヴォンデ

1895 / Blue Brave – The Legend of Formosa

Regie: Hug Shih-yu, Taiwan 2008
Filmveranstaltung im Zeughaus-Kino des Deutschen Hisgtorischen Museums
am 26.3. 2011
Organisation und Einführung in den Film: Beate Wonde

Blue Brave Cover

Mori Ôgai im Film:

Die Legende von Formosa

Originaltitel: 1895 / Engl: Blue Brave: The Legend of Formosa 1895
Taiwan 2008, R: Hung Chih-yu, D: Wen Sheng Hao, Yang Chin Hua, Akira Hibino, Hsu An An, 110’ 35 mm, OmeU

Die zweite Regiearbeit des taiwanesischen Regisseurs Hung Chih-yu – eines ehemaligen Assistenten Hou Hsiao Hsiens – gilt als der erste Langfilm, der komplett im chinesischen Hakka-Dialekt gedreht wurde. Diese Tatsache überrascht schon deswegen, weil Hakka heute von mehr als 30 Millionen Menschen gesprochen wird. Die meisten von ihnen leben in Südchina, aber auch auf Taiwan gibt es eine Hakka-Minderheit. Hung Chih-yu setzt sowohl dieser Minderheit, als auch dem taiwanesischen antikolonialistischen Widerstand Ende des 19. Jahrhunderts ein Denkmal. Der Film setzt 1894 ein, als China nach einer militärischen Niederlage die Insel an Japan abtreten muss. Im folgenden Jahr organisieren drei junge Patrioten einen Guerillakrieg gegen die technisch und personell überlegene Kolonialmacht. Die Kämpfe sind zwar nur von kurzer Dauer und kurz- bis mittelfristig wirkungslos: Taiwan bleibt bis 1945 unter japanischer Herrschaft. Aber Hung Chih-yu destilliert aus den Aufständen eine Ursprungserzählung über ein genuin taiwanesisches nationales Selbstbewusstsein. Man darf dem Regisseur zugute halten, dass sein Film bei all seinem patriotischen Furor keine der beteiligten Parteien dämonisiert – nicht einmal die japanischen Eindringlinge, deren empfindsamem General das Blutvergießen wenig Freude bereitet.

„..Banner und Trommeln – die Armee steht bereit/während der Arzt (die Wunden) behandelt./Ich wünsche mir die Fähigkeit die Toten aufstehen zu lassen/keine Rückkehr ins Mittelalter!“, schreibt Mori Ôgai am 2. Dezember 1894 in dem Gedicht „Als wäre es an meine Frau“ in seinem Sosei-Tagebuch (25. August bis 4. Oktober 1895). Ôgai war im Japanisch-Chinesischen Krieg 1894/95 zunächst nach Korea, dann nach China (wo ihm am 10. Mai Masaoka Shiki einen Besuch abstattete) und vom 29. Mai bis 22. September 1895 nach Taiwan (damals Formosa) abkommandiert worden. Er war hinter den Linien als Leiter der Hygiene-Abteilung zuständig für Fragen der Versorgung mit Trinkwasser, den Zustand der Straßen, Flüsse und Lazarette. Verwundete sah er täglich.

Ôgai hat später die Biographie des Prinzen Kitashirakawa Yoshihisa verfasst, die 1908 veröffentlicht wurde. Prinz Kitashirakawa, der am 28. Oktober 1895 in Taiwan an Malaria verstarb, war zunächst in der Mandschurei und später in Taiwan der Oberste Befehlshaber der Kaiserlichen Wachdivision.

In der Rolle des Mori Ôgai: Kajima Koichirô,
als Prinz Kitashirakawa Yoshihisa: Hibino Akira

Siehe auch Mori Ôgai: „Mäusesteig“. Aus dem Japanischen von Wolfgang Schamoni, Hefte für Ostasiatische Literatur 10 (1990): 48-57


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