Mori-Ôgai-Gedenkstätte Berlin / ベルリン森鷗外記念館・ベアーテ・ヴォンデ

Rede Städtepartnerschaft Tsuwano und Berlin-Mitte

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nakashima!
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Keil!
Verehrte Anwesende!

Gestern genau vor 111 Jahren am 24.8.1884 bestieg in Yokohama der junge japanische Militärarzt Mori Rintaro ein Schiff, das ihn für 4 Jahre zu einem Studienaufenthalt nach Deutschland bringen sollte. Die Zeit in Deutschland, insbesondere in der damaligen Reichshauptstadt Berlin, war für den jungen Ogai eine Zeit tiefempfundener, intensiver Erlebnisse, die sein ganzes weiteres Leben und sein Wirken als Vermittler zwischen Deutschland und Japan prägten.
Am 24.8.1995, also 111 Jahre später, traf nun auf dem Flughafen Tegel der Bürgermeister von Ogais Geburtsort Tsuwano, Herr Nakashima, in Berlin ein, um mit dem Bürgermeister von Berlin-Mitte, des Stadtteils, in dem Ogai sich im Wesentlichen aufhielt und das Berliner Leben kennenlernte, einen Vertrag über eine Städtepartnerschaft zu unterzeichnen.
111 Jahre, Zufall oder nicht? Vielleicht bin ich die einzige, die durch die tägliche Beschäftigung mit Ogai und Japan diese merkwürdige Koinzidenz des Datums bemerkt hat. Wie auch immer, ich kann es nur als ein gutes Omen werten für die heute unterzeichnete Städtepartnerschaft. Nicht umsonst zählt die 111 in Deutschland zu den “Schnapszahlen” und weist auf einen Grund zum Feiern hin.
Um bei den Gemeinsamkeiten oder Zufällen zu bleiben: Seine Heimat Tsuwano und Berlin sind in Ogais Leben wohl die wichtigsten Orte gewesen, Orte, an die er kein zweites Mal zurückgekehrt ist, ihn aber mehr als andere geprägt haben.
Mori Ogai hat damals mit dem Schiff noch 49 Tage gebraucht, um nach‹ Berlin zu gelangen. Herr Nakashima brauchte kaum einen Tag. Und so wie‹ die Distanzen kürzer geworden sind, wir heute an einem Tag den halben Erdball umkreisen, um uns die Hand zu reichen und uns zu treffen, so rücken auch die Probleme, die zu lösen unsere Aufgabe ist, immer näher und können nur noch global gedacht und bewältigt werden. So fern und fremdartig Berlin und Tsuwano auf den ersten Blick scheinen mögen, vielleicht liegt gerade in der Andersartigkeit die Chance, erste Schritte zu gehen auf neuen Wegen im Verständnis einer historisch anders gewachsenen Kultur, in der Überwindung von Fremdheit, in der Erweiterung des eigenen Horizonts und Bewusstseins, um neue, vielleicht unkonventionelle Lösungsmöglichkeiten für die Menschheitsprobleme zu finden. Ganz nebenbei bemerkt sind das Fragen, die schon Mori Ogai aufgeworfen hat und die noch immer oder gerade jetzt auf eine Antwort oder Neubewertung warten. Möge das heute geknüpfte Band, der vereinbarte Austausch auf verschiedensten Gebieten positive Impulse bringen und Mut machen, denn schließlich “sitzen wir alle im selben Boot.
Ich persönlich denke noch oft und gern an die feierliche Eröffnung der MOG in Tsuwano zurück und erzähle meinen Gästen auch begeistert von meinen Eindrücken. Mit dieser Einrichtung sind m.E. auch neue Maßstäbe gesetzt worden, denen wir uns in der künftigen Zusammenarbeit stellen müssen. Ich habe den Eindruck, dass dabei besonders der Computertechnik eine große Rolle zukommt, auf die wir uns im Austausch gezielt vorbereiten werden.
So wie die beiden Bürgermeister sich heute die Hände gereicht haben, ist wahrscheinlich der Tag nicht mehr allzu fern, an dem die Zusammenarbeit der Gedenkstätten in Berlin und Tsuwano eine solche Normalität erreicht haben wird, dass ich per Internet meinen Kollegen in Tsuwano mit einem freundlichen “Guten Morgen! auf dem Computerbildschirm begrüße und wir uns dann in die gemeinsame Arbeit stürzen, als säßen wir Tür an Tür. Darauf freue ich mich und darauf möchte ich mit Ihnen mein Glas erheben. Kampai!

25.8.1995 im Roten Rathaus


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