Mori-Ôgai-Gedenkstätte Berlin / ベルリン森鷗外記念館・ベアーテ・ヴォンデ

Kewpie – der älteste ‘Character’ der Welt

24.4. bis 21.9.2006 in der Mori-Ôgai-Gedenkstätte, später im Rathaus und im Schloss Ehrenstein in Ohrdruf. Gestaltung: Jenny Marquardt. Mit freundlicher Unterstützung von Misako und Kazuo Kitagawa von Rose O’Neill Kewpie International Japan

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Entwurf der in Ohrdruf 2013 verbrannten Bahnen der Kewpie-Ausstellung in der MOG
Korrektur: Rose O’Neill ließ die Kewpies 2012 patentieren und überwachte persönlich die Produktion der ersten Exemplare in Ohrdruf. Zu Weihnachten 2012 waren Kewpie bereits auf dem in- und ausländischen Markt. Die Produktion in Deutschland ging nach dem ersten „Kewpie craze“ aufgrund des Embargos in Amerika und England („No German goods!“) zu Beginn des II. Weltkrieges drastisch zurück.

Brief der Stadtverwaltung Ohrdruf über Rose O’Neill und Kewpie

Chair of Kewpiology
Chair of Kewpiology

Kewpie in Japan
Nach seinem Ausscheiden aus dem Militärdienst 1917 wird Mori Ôgai (1862-1922) zum Generaldirektor des Kaiserlichen Hofmuseums ernannt. In dieser Funktion reist er am 3. November 1918 nach Nara und Kioto. Seiner Tochter Anne kauft er zum Abschied eine Kewpie-Puppe – Umfragen zufolge waren die „Kyûpî“ genannten Puppen 1917 das beliebteste Weihnachtsgeschenk für japanische Mädchen

Japan, das ursprünglich nur für ein Jahr die Lizenz erhalten hatte und den Bedarf durch zusätzliche Importe aus Deutschland deckte, stieß blitzschnell an die Weltspitze vor. 1927-1937 wurden 70 -80% des weltweiten Zelluloid-Spielzeugs in Japan hergestellt. Kewpies wurden zum preiswerten, für jedermann erschwinglichen Maskottchen und Symbol dieses wirtschaftlichen Erfolgs. Es heißt, daß es bis in die Nachkriegszeit in jedem Haushalt mit Kindern auch eine Kewpie-Puppe gegeben habe. Mit Kewpie-Puppen lernte man Babys windeln, selbst im Schwimmunterricht wurden sie eingesetzt.

Die ersten von Rose-O’Neill entworfenen Puppen waren die „Standing Kewpie“ und „The Thinker“ – eine Nachbildung von Rodins bekanntem Werk. Später folgten Gruppen von „Action Kewpies“. Während man sich in Deutschland streng an die Vorgaben der „Mutter der Kewpies“ hielt, gab es in Japan von Anfang an Abwandlungen bis hin zu Japanisierungen in Form von Kabuki-Kewpies, Sumo-Kewpies oder Kewpies in traditionellen Festgewändern. Auf Postkarten erschein Kewpie nicht nur mit dem Weihnachtsmann oder als Stellvertreter des heiligen Kindes, auf Neujahrkarten begleitet er ebenso selbstverständlich das jeweilige Jahrestier aus dem chinesischen Kalender. Aus der Produktwerbung ist Kewpie nicht mehr wegzudenken, ganz bekannt ist die Kiupi-Mayonnaise (hier wurde der Name aufgrund der Beliebtheit übernommen, das abstrakte Abbild des Maonnaise-Maskottchens hat allerdings keinerlei Ähnlichkeit mit einer echten Kepwie), aber auch für Baby-Nahrung flimmern Kewpie-Anlehnungen allabendlich über den Bildschirm und als Mischform Kewpie-Doraemon oder Kewpie-Ultraman ist Kewpie heute in die japanische Popkultur integriert. Ganz beliebt ist die Produktion von Kewpie-Imitaten als Schlüsselanhänger, z.B. als buddhistischer Mönch Nichiren.

In Amerika erfreuen sich Kewpies bei Sammlern noch der Wertschätzung des Kenners, in großen Spielzeugkaufhäusern sind sie jedoch völlig unbekannt. In Deutschland sind Kewpies, die 2009 bereits ihren 100. Geburtstag feiern, vergessen und selbst in einschlägigen Museen – außer im Puppenmuseum Waltershausen – weder bekannt noch vorhanden. Obwohl sie ihre einstige Vormachtstellung in Japan inzwischen mit Hello Kitty, Doraemon, Totoro, Ultraman u.a. Idolen teilen müssen, waren sie nirgendwo so massenhaft verbreitet und sind sie nirgendwo so sehr Teil der Populärkultur wie in Japan. Ihre Geschichte ist nicht nur ein Kapitel deutsch-japanischer Wirtschafts- und Kultur-Geschichte, sondern auch ein besonders niedliches Beispiel einer Objektgeschichte. Kewpie – das ist der älteste „character“ der Welt, noch lange vor Donald Duck und Mickey Mouse. Das „Kewpieville“, das Rose O’Neill für ihre „funny, roly-poly creatures“ entwarf, gilt heute als Vorläufer der Disneylands u.a. Themaparks.

Ohrdruf Aug.08

Die Ausstellung wurde angeregt durch eine Seminararbeit. Nach meinem Besuch in Ashiya stellte die Firma Rose O’Neill Kewpie Japan großzügig historische und heutige Kewpie-Puppe, Goods und Bildmaterial zur Verfügung. Das CMS der Humboldt-Universität übernahm den Druck. Grafikdesign: Jenny Marquardt

Die Kewpie-Ausstellung wurde nach Ablauf der Stadt Ohrdruf geschenkt, zunächst im dortigen Rathaus ausgestellt und am 13. Oktober 2007 anlässlich der Puppenbörse im Schloss Ehrenstein als Teilbereich der Dauerausstellung zur Geschichte der Puppen- und Spielzeugproduktion eingerichtet, durch Ankäufe, Schenkungen sowie in Ohrdruf gefundenes Material erweitert.

2009 nahmen Manfred Ständer (Ohrdruf) und ich an der Kewpiesta in Branson/Missouri teil, wo wir über die Ausstellung in der MOG und die Geschichte der Puppenproduktion in und um Ohrdruf einen Vortrag hielten und das neueröffnete Kewpie-Museum von Rose’s Neffen David O’Neill besichtigten u.a. für das Leben von Rose O’Neill relevante Orte. Ein amerikanischer Kunstwissenschaftler übereignete mir mehrere Akten mit Text- und Bildmaterial über ihr künstlerisches Schaffen jenseits der Massenproduktion, ihre Förderung anderer Künstler und ihre lebenslange Freundschaft mit Khalil Gibran (Der Prophet). Die Beschäftigung mit Rose O’Neill hat für mich gerade erst begonnen.

Beate&David arrival

2012 im Herbst gab es zum 100. Geburtstag der Kewpie als Puppe das erste deutsch-japanisch-amerikanisches Kewpie-Treffen in Ohrdruf.
Im November 2013 fiel ein großer Teil der Kewpie-Ausstellung dem Brand im Schloß Ehrenstein zum Opfer.
Im Zuge des Wiederaufbaus soll eine neue Kewpie-Präsentation eingerichtet werden mit Sach- und Geldspenden aus Japan, und hoffentlich bald einer „Geschichte der Kewpie“ auf deutsch (in Arbeit).

Am 4. Juni 2008 besuchten Bundespräsident Köhler und Thüringens Ministerpräsident Ohrdruf die Ausstellung. Die Bürgermeisterin überreichte den Gästen Kewpie-Puppen und erläuterte deren Geschichte und Bedeutung für den Ort.
Am 4. Juni 2008 besuchten Bundespräsident Köhler und Thüringens Ministerpräsident Ohrdruf die Ausstellung. Bürgermeisterin Hopf überreichte den Gästen Kewpie-Puppen und erläuterte deren Geschichte und Bedeutung für den Ort.


Die Rückkehr einer Ikone

Dirk Schäfer in: Stifterverband W&W 2/2007, S. 36/37


"Kewpie - der älteste 'character der Welt'" in Humboldt, 1.6.2006, S. 9
„Kewpie – der älteste ‚character der Welt'“ in Humboldt, 1.6.2006, S. 9

in Humboldt, 08.11.2007 S. 8
in Humboldt, 08.11.2007 S. 8

Japan Kewpie Club 25 S.1
Japan Kewpie Club 25 S.1
Japan Kewpie Club 25 S.2
Japan Kewpie Club 25 S.2
Japan Kewpie Club 25 S.3
Japan Kewpie Club 25 S.3

Japan Kewpie Club 27 Titel
Japan Kewpie Club 27 Titel
Japan Kewpie Club 27 S.6
Japan Kewpie Club 27 S.6
Japan Kewpie Club 27 S.7
Japan Kewpie Club 27 S.7
Japan Kewpie Club 27 S.8
Japan Kewpie Club 27 S.8

Kewpie01

Kewpie02

Weitere Presse:
「鴎外とキューピー人形」 “Ôgai to kyûpî ningyô” (Ôgai und die Kewpie- Puppe), Todoroki Yoshiko, 北九州森鴎外記念会だよりKitakyûshû Mori Ôgai Kinenkai dayori , Nr. 62 vom 20. 7. 2006, 8.
「ドイツ・キューピー展」 “Doitsu Kyûpî-ten” (Kewpie-Ausstellung in Deutschland) Japan Kewpie Club News Nr. 25, 23. 9. 2006, 1–3. Englische Ausgabe unter Titel: “Kewpie exhibition” by Mori Ogai Memorial Hall, Germany, 23. 9. 2006.
“Glücksbringer ohne Nasenlöcher”, Claudia Klinger, Thüringer Allgemeine Zeitung, 18.11. 2006.
“Glücksbringer und Talisman – Ausstellung über Kewpie-Puppen” Thürin- ger Landeszeitung, 22. 11. 2006.

http://japeau.com/mayonnaise-japanisch-perfektioniert/

Übrigens werden auf der Leuchtenburg bei Kahla jetzt auch Kewpie- Nachbildungen Form von Salz- und Pfefferstreuern verkauft. Es sind aber keine echten Kewpies!!! Die sind charmanter, kindlicher und haben keine langen Wimpern.


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