Mori-Ôgai-Gedenkstätte Berlin / ベルリン森鷗外記念館・ベアーテ・ヴォンデ

TSUWANO Kioto en miniature – TAKANO Atsushi

Fotografien mit Motiven aus Mori Ôgais Geburtsort Tsuwano, Koop. mit Tsuwano, gleichzeitig Ausstellung im Foyer der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, 29.8.2005 bis 21.4.2006

Tsuwano - Kioto en miniature
Tsuwano – Kioto en miniature

Tsuwano, im Südwesten Japans gelegen, ist seinen knapp siebentausend Einwohnern ein „kleines Kioto“ und vielen im Inselland Inbegriff einer japanischen „Heimat“.

Der Ort hat eine Geschichte von mehr als siebenhundert Jahren.
Bekannt wurde er außerhalb Japans erstmals durch Persönlichkeiten, die in der Geschichte der Modernisierung Japans vor und nach 1868 wichtige Rollen spielten und im einstigen Fürstentum Tsuwano und seiner Hochschule ihre Wurzeln hatten, z. B. den Mitbegründer des Staatsshinto ÔKUNI Takamasa oder den Philosophen und Aufklärer NISHI Amane. Tsuwano ist auch der Geburtstort des Arztes und homme de lettres MORI Ôgai (1862-1922).

Seinen bedeutenden Gelehrten und Künstlern, deren Gräber im moosbewachsenen Zen-Tempel des Ewigen Lichts zu finden sind, verdankt Tsuwano neben der Mori-Ôgai-Gedenkstätte verschiedene interessante Museen, darunter eines für den weltweit bekannt gewordenen Kinderbuchautor und Maler ANNO Mitsumasa.

Von der einstigen Burg (um 1295 entstanden, seit 1872 verfallen) zeugt eine das Städtchen überragende Ruine. Hier oben hat man einen unvergleichlichen Blick über das Tal: auf ein „Kioto en miniature“ (Shô Kyôto), eine Stadt und Landschaft in allen Schattierungen von Grün und Rot, vervollkommnet durch die alten, sorgsam restaurierten Adelshäuser im Zentrum, mit ihren schiefergrauen Dächern, dazu die Tore des zinnoberroten Fuchsschreins.

Im „Brokatstrom“, dem Fluß von Tsuwano, und in den Gräben zu beiden Seiten der Hauptstraße schwimmen seit dem 17. Jahrhundert unzählige bunte Karpfen (bei uns unter ihrem japanischen Namen „Koi“ bekannt). Auch zu schlimmsten Hungerszeiten hätte sich niemand an ihnen vergriffen.

Im nahen Laubwald gelangt man zur Marienkappelle. Als in den ersten Jahren der Restauration der kaiserlichen Herrschaft unter Kaiser Meiji seit 1868 mehr als dreitausendvierhundert Christen, „Verborgene“ (Kakure) in über zwanzig Umerziehungslager gebracht wurden, da das Christentum als Gefahr für das von Kolonialmächten bedrohte Kaiserreich galt, hielt man auch in Tsuwano 153 Altchristen aus Nagasaki gefangen, deren Vorfahren während des zweihundertfünfzig Jahre dauernden Christentumverbots ihrem Glauben treu geblieben waren. In wenigen Jahren starben 36 von ihnen an Folter, Hunger und Kälte. Zum Gedenken an ihre Verfolgung wird seit Beginn der 1950er Jahre an jedem 3. Mai (am Verfassungsgedenktag) eine Marienprozession veranstaltet.

Tsuwano ist bekannt für seine traditionellen Feste. Ob es das berittene Bogenschießen (yabusame) im April ist, die Betrachtung japanischer Riesenglühwürmchen Mitte bis Ende Juni, die Kranichtänze (sagi-mai) im Juli, die O-Bon-Tänze zum Totengedenken im August oder Drachen- u.a. Volkstänze.

Tsuwano erstreckt sich über eine Fläche von 140 Quadratkilometern, achtzig Prozent davon sind Wald. Traditionelle Handwerke sind die Herstellung von handgeschöpftem Japan-Papier (washi) und von Reiswein.

Durch ihre Mori-Ôgai-Gedenkstätte hat die Humboldt-Universität intensive Beziehungen zum „kleinen Kioto“. Als nach der Wende des Jahres 1989 die Existenz der Gedenkstätte bedroht war, beteiligten sich Bürger aus Tsuwano an einer Rettungsaktion und brachten im Ort Spendenkästen an. Im Frühjahr 1995 wurde auch in Tsuwano eine Gedenkstätte eingerichtet. Im Herbst desselben Jahres unterzeichneten die Bürgermeister von Berlin-Mitte und Tsuwano einen Partnerschaftsvertrag.


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