Mori-Ôgai-Gedenkstätte Berlin / ベルリン森鷗外記念館・ベアーテ・ヴォンデ

ALG-Jahrestagung in Konstanz/Gaienhofen

Die diesjährige Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten Deutschlands (262 Mitglieder) fand vom 7.-9. September in Konstanz am Bodensee statt. Auf diese Tagung habe ich mich schon lange gefreut, zumal das Hesse-Museum in Gaienhofen im Mittelpunkt stand und ich in dieser Gegend bislang noch nie war.
Extra für die Tagung wurde in Gaienhofen eine Ausstellung „Die Manns am Bodensee“ gestaltet. Die Dauerausstellung zu Hesse wirkte auf mich als Raumerlebnis viel schlüssiger und interessanter, als ich es mir nach einem PPP-Vortrag im letzten Jahr vorstellen konnte. Ich glaube, das ging den Zuhörern meiner Vorträge über die neue DA der MOG 2017 in Japan genauso. Man kann in Räume inszenierte Ausstellungen nicht eindimensional präsentieren. Ein Life-Besuch hat eine ganz andere Dimension.

Der morgendliche straffe Spaziergang zum Konzil am noch jungen und erstaunlich Rhein entlang mit Dr. Ute Pott vom Gleimhaus Halberstadt, der neuen Vorstandsvorsitzenden der ALG, die sich im Gegensatz zu mir Feigling auch schnell entschlossen in die Fluten warf, bleibt ebenso in Erinnerung wie die gemeinsamen Stadtrundgänge, der gute Wein, die Diskussionen bis Mitternacht und die Schiffahrten nach Meersburg (Staatsgut) und Überlingen. Vor allem aber die Entdeckung neuer Einrichtungen, wie das Fritz-Mühlenweg-Museum in Allensbach – die zweite Einrichtung mit Asien-Bezug, die Verleihung des Vogel-Preises an Paul Alfred Kleinert für die Franz-Fühmann-Gesellschaft. Eine ALG-Tagung wirkt manchmal, als würde sich eine Horde Ausgehungerter aufeinander stürzen, netzwerkeln, diskutieren, Veranstaltungsideen ersinnen – und am Ende stellt man fest, dass man mit diesem oder jener doch noch kein Wort gewechselt hat. Für diese Intensität spricht auch, dass selbst ehemalige KollegInnen kommen, die längst im Ruhestand sind.
Ich habe Absprachen mit der Fühmann-, Paul Ernst-, Schopenhauer-Gesellschaft, dem BB-Literaturbüro getroffen. Dr. Distl von der Ernst-Toller-Gesellschaft hat mich zu Vortrag in Pettenkofers Geburtsort eingeladen zu dessen 200. Geburtstag über seine Japan-Beziehungen. Dazu viele anregende Veranstaltungen u.a. über Jose Rizal, der Wilhelm Tell ins Philippinische übersetzte, Lesungen, und Foren über die Literatur im Dreiländereck, Literatursprachen und Dialekte. Der Rausch des Zusammenseins mit Gleichgesinnten, die ähnliche Interessen und Probleme haben, hält oft noch Wochen hinterher an.

Gleichzeitig leitete diese Tagung meinen Abschied ein. Da ich in zwei Jahren nicht mehr im Dienst bin, stehe ich für die Wahl zum Rechnungsprüfer der AG nicht weiter zur Verfügung. Ich möchte auf diesem Wege Frau Kussin herzlich danken, die mir über diesen Weg seit Jahren die Teilnahme an den äußerst anregenden Tagungen ermöglicht und mich damit unterstützt hat, das Profil des Autoren- bzw. Literaturmuseums nicht völlig aufzugeben, obwohl die MOG seit 1995 längst in anderen Strukturen existiert als den 1984 bei Gründung intendierten.
Zum Abschied bekam ich einen wunderschönen Original-Farb-Linolschnitt von Annette Frizsch „Unter den Sternen der Zeit“, 2003, der alles erfasst, was es zu meiner Ogai- und sonstigen Existenz zu sagen gibt. Dieses Werk hängt jetzt noch 1,5 Jahre über meinem Büro-Schreibtisch und wird mich auf dem letzten Stück begleiten. Er ersetzt den Original Günter Grass mit dem König, den ein Grashüpfer auf der Nase herum hüpft oder kitzelt, das Motto in 18 überlebten Jahren, das ich nun nicht mehr als täglich Ermutigung brauche.

Auf dem Hinweg verbrachte ich einen Tag in Zürich, wo das wunderbare Kunsthaus mein Ziel war. Dort habe ich meine erste Eintritts-Ermäßigung in diesem Leben bekommen, in der Schweiz gilt man nämlich mit 64 als Rentner. Im Osten wäre ich es schon 4 Jahre… Wie auch immer, es hätte auch schnöde in der S-Bahn passieren können, dass ich meine Rentner-Unschuld verliere. Im Kunsthaus Zürich fühlt sich eher an wie geadelt werden, abgesehen davon, dass 11,- statt 23 Euro schon ein gewaltiger Unterschied sind.


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