Mori-Ôgai-Gedenkstätte Berlin / ベルリン森鷗外記念館・ベアーテ・ヴォンデ

Kalligraphiekurs bei der Werkwoche in Hirschluch 7.-14.8.2022

Ich weiß nicht mehr seit wieviel Jahren schon ich im Sommer zur Werkwoche nach Hirschluch bei Storkow fahre. Sie ist der Höhepunkt des Sommers. Man verbringt eine intensive Kreativ-Woche in verschiedenen Kursen mit 160-200 Leuten Generationen übergreifend an vertrautem Ort mitten im Wald und in Badesee-Nähe. Schon als Schülerin kam ich zu Rüstzeiten hierher. Lange Zeit war es eine Art Familientreff, weil auch andere aus meiner Patchworkfamilie hier als Teilnehmer oder Kursleiter aktiv waren.
Ich habe mich in der geschützten Umgebung dort schon auf verschiedensten Gebieten ausprobiert: Digitalfotografie und Fotobearbeitung, Chor, Theater, Holzbildhauerei, Afrodance und -trommeln, Keramik…
Letztes Jahr, habe ich in Hinblick auf die Olympiade, die gleichzeitig in Japan stattfand, bei einem geselligen Abend mal ein paar japanische Zeichen auf den Plipchart gemalt. Das fanden alle originell und so wurde ich gebeten, doch in diesem Jahr mal mehr dazu preiszugeben und einen Kalligraphie-Kurs anzubieten. Wer meine Handschrift kennt, weiß, dass sich das wie Hochstapelei vom Feinsten anhört. Und wer mich kennt, weiß aber auch, dass mich alles Neue magisch anzieht.

Natürlich hatte ich meine Geheimwaffen mit: meine ehem. Assistentin Miya und Frank Merten brachten ihre jeweiligen Kernkompetenzen ein. So waren wir ein gutes Dreigespann aus Japanisch-Muttersprachlerin, Kalligraph und Japanologin/Organisatorin.
Auch sonst war es ein für japanische Verhältnisse sehr unüblicher Kurs: vormittags 3 Stunden und nachmittags nochmal, also 6 Stunden an 5 Tagen. Da kann man die Teilnehmer nicht nur das Zeichen für „Ewigkeit“ schreiben lassen, muss konzeptionell andere Angebote machen oder zulassen, mehr in die Breite gehen jenseits der Perfektion.
Wir hatten 11 TeilnehmerInnen in zwei Räumen. Vier Teilnehmerinnen kamen über den von YUSEV e.V. organisierten Jugendaustausch aus der Ukraine. Ich bin noch immer tief beeindruckt, wie emsig und kreativ die jungen Ukrainerinnen waren, die doch jeweils 2 Tage Anreise hinter sich und 2 Tage Rückreise vor sich hatten. Andere brachten Erfahrungen in Tuschmalerei und Suminagare ein.

Bei den Präsentationen am Samstag waren wir selber überrascht, zu welchen Ergebnissen diese nur eine Woche geführt hat. Ich bin immer noch tief beeindruckt von der Intensität der Woche, und auch ein wenig freudig-erschöpft von Tanz und Karaoke, dem vielen Austausch jeden Abend. Mit Vollmond am Weiher in der Krokodilbar!

Leider konnte ich den diesjährigen Leiter der Werkwoche Aldin Bukvic nicht adoptieren. Ich habe noch nie einen Leiter erlebt, der so positiv und zugewandt war, Probleme schon fast gelöst hat bevor sie auftauchten. Mit ihm würde ich jedes Projekt machen!

Mein Dank auch an Herrn Kino Itô aus Suzuka (Shinseidô), Frau Yoshimi Shôkô und Miori Fujimura aus Tokio für die Unterstützung mit Tusche.

Anbei ein paar fotografische Impressionen.


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